Die Dosso Alto Höhenstraße und die Nordseite des Passo Manivas im weiteren Verlauf sind meine absoluten Lieblingsstrecken dieser Region, und eigentlich auch überhaupt. Deswegen macht es mir auch nichts aus, jedes Jahr die gleiche Route zu fahren. Heute kommen Duck (Markus) und Mirko (Angstnippel) mit, die beide das erste Mal hier in der Region Motorrad fahren. Die können sich auf etwas gefasst machen! Angstnippel hat ein Handycap wegen eines ultraeckigen Vorderreifens, und Duck ist erst 2 Tage in Italien, daher gilt das Prinzip "lose Gruppe": Ich fahre mal vor, und warte dann vor dem Abbiegen.
Es geht zunächst auf den schnellsten Weg zum Gardasee, wo natürlich reichlich Verkehr und wenig Fahrspaß ist. Dann geht's zum Ledrosee, wo man mit erheblichem Einsatz immerhin Spaß beim Überholen findet. Mir fällt eine MV Agusta Brutale Dragster RR auf, deren Fahrer anscheinend bereits alles überholt hat, jetzt auf seine Gruppe wartet - die ich wiederum gerade überholt habe - und der mich bereitwillig vorbeilässt. Danach mache ich das Foto am Passo Ampola, warte auf die beiden Mitstreiter und rufe die Vormittagspause aus. Dafür steht ein Café direkt hinter der Kreuzung zur Tremalzo bereit.
Eigentlich könnte man hier zum Passo di Tremalzo hoch fahren, aber da sieht man nicht wirklich was, und man muss umdrehen, weil der eigentliche Höhepunkt nur für Radfahrer erlaubt ist. Aus Zeitgründen sparen wir uns das. Den Passo Ampola westwärts geht es die Schlucht entlang, sehr schick zu fahren, mit etwas Aussicht und launigen Überholmanövern. Wie immer hört der dichte Verkehr am Ledrosee auf. Die Leute scheinen den ganzen Tag zwischen Ledrosee und Gardasee hin und her zu fahren.
Den Idrosee entlang stelle ich fest, dass die Mitfahrer inzwischen die italienische Seite des Motorradfahrens an sich entdeckt haben. Schließlich biegen wir auf die Dosso Alto Höhenstraße ein. Die ist etwa 3 Meter breit und schraubt sich in diversen Kehren immer höher. An einer Kehre gibt’s Pippi-Pause mit Aussicht auf den See. Dann beginnt der wirklich hohe Teil der Strecke. Hier jagt eine Hammeraussicht die nächste und man weiß gar nicht, wo man überall für Fotos oder einfach zum Gucken anhalten soll.

Als Passknacker gibt es noch drei Pflichtstopps. Schließlich weicht der Asphalt dem Schotter, der sich aber gut fahren lässt. Dann laufen wir auf eine MV Agusta Brutale Dragster RR auf, die mir verdächtig bekannt vorkommt. Er bemerkt uns und lässt uns passieren, sein vorausfahrender Freund auf 1200 GS ebenso.

Markus gefällt’s:

Mirko auch:

Kurz danach erreichen wir den Passo Maniva und kehren ein. Die andere Gruppe auch – das trifft sich gut. Ich stehe auf die MV Agusta Brutale Dragster RR, die eigentlich meiner MT-09 recht ähnlich ist – aber nur von den Daten her.

Die Nordseite des Maniva führt komplett jenseits der Baumgrenze an diversen Radiotelekospen vorbei zum Croce Domini. Das ist laut Landkarte eine gewöhnliche Straße. In echt ist sie ca. 10 km lang unbefestigt, aber breit, eben und nicht besonders steil. Nur der letzte Kilometer ist steil und löcherig. Für die Strapazen entschädigen allerdings mit die besten Aussichten, die ich überhaupt je im Sattel hatte.




An der Passhöhe des Croce Domini erreichen wir wieder Asphalt und schwingen uns gemütlich durch die Natur ins Tal. Dabei wird noch mal eingekehrt, ist ja Urlaub hier, und man will die Umgebung aufsagen.
Zur Weiterfahrt starte ich mit der F800R von Markus, der sich stattdessen auf meiner MT-09 vergnügt. Natürlich ist die Sitzposition ganz anders, ich habe schließlich die „Street Rallye“-Sitzbank, also eine Supermoto-Sitzposition weit vorne und oben auf dem Motorrad, während man bei der F800R mehr weiter hinten und drin sitzt statt drauf. Der Twin schiebt bei niedrigen Drehzahlen sehr gut, aber danach passiert kaum noch was. Dagegen ist mein Triple eine Abrissbirne, die bei jeder Drehzahl einschlägt und einem den Boden unter den Füßen wegzieht, dass es eine wahre Freude ist. Markus mag die Sitzposition nicht, hätte aber gern den Motor. Nö, den behalte ich!
Zurück im Tal haben wir dann eigentlich nur noch Hauptstrecken vor uns. Umwege über Höhenlagen machen wenig Sinn, da würde die Route zu lang werden. Den ersten Abstecher zum Passo Daone sparen wir uns aus Zeitgründen. Ein Abstecher geht aber: Goletto di Cadino und Passo Barmone – dien sind aber auch eher für Passknacker-Fans.
Im späteren Verlauf haben wir noch einen Bundesstraßenstau, wo wir echt lange warten. Ich bin Ingenieur, und als Ingenieur kennt man Murphys Gesetz: Alles was schief gehen kann, geht auch schief. Das klingt negativ, aber man kann es positiv anwenden: Es wäre doch echt ärgerlich, wenn ich jetzt meine Handschuhe ausziehe und anfange am Handy rumzufummeln, und es dann plötzlich doch weiter geht. Dann müsste ich hektisch das Handy verstauen und die Handschuhe anziehen, um nicht den Verkehr aufzuhalten! Das wäre sehr unangenehm! Murphy kriegt das mit, ich ziehe die Handschuhe aus, halte kurz inne – gucke mich misstrauisch um – nichts passiert. Ich hole das Handy raus und entsperre es – sofort setzt sich die Kolonne vor uns in Bewegung. Ha! Wieder ein Sieg über das Schicksal!

Danach ging es wieder mit „Feuer frei!“ den Berg hoch, und zurück zum Hotel, wo wir alle ziemlich begeistert von dieser Tour waren. Der Passo Maniva hat einen festen Platz in meinem Herzen.
Die Route von heute, 345 km, weitgehend zur Nachahmung empfohlen:
